Tipp: Second Hand – Beispiel „Das neue Schwarz“, Berlin.

Was die internationalen Designer auf den Schauen in Paris, Mailand oder New York zeigen, hängt nur ein paar Tage oder Wochen später in leicht abgewandelter Form in den Filialen der großen Modeketten.

Das heißt aber auch, so schwierig wie heute war es noch nie, seinen individuellen Look zu kreieren.

Ein neuer Trend ist deshalb zu beobachten, Designer Secondhand: „Vintage“ ist der Stil der Stunde, wenn man sich fernab des Massengeschmacks kleiden möchte.

„Bitte klingeln!“ titelt ein Aufsteller in der Mulackstraße 37, Berlin Mitte. Ein dicker Pfeil weist in Richtung Hofauffahrt eines typischen Berliner Altbaus. Der Summer öffnet die Tür, im lauschigen Hinterhof versteckt sich ein kleines Atelier.
Drinnen wird gebügelt.

Auf den Stangen hängen fein säuberlich Designer-Kleidungsstücke aus allen Jahrzehnten: eine weiße Helmut Lang Jeans aus den späten Achtzigern, eine Bluse in türkis von Yves Saint Laurent aus den Siebzigern, ein Anzug von Dior. Ein paar Stiefel stehen in Reih und Glied, Lederhandtaschen hängen im Türrahmen.

Es riecht nach großer, weiter Welt.

Der typisch muffige Geruch aus Secondhand-Läden, in der Vintage-Boutique „Das neue Schwarz“ ist er nicht vorhanden.

Inhaberin ist die Österreicherin Tanya Bednar. Sie betrieb ihren Vintage-Shop vorher ein Jahr lang im Internet, bevor sie ihr Geschäft im August eröffnete. „Um mehr mit Leuten in Kontakt zu kommen.“, erklärt sie. In Ihrer Heimatstadt Wien arbeitete sie lange als erfolgreicher DJ, ist dabei viel rumgekommen, verdiente gut und häufte dabei als modebewusste Frau viel Kleidung an.

Auch Ihre Mutter, früher Mannequin, hob Tanya viele Sachen aus den Sechzigern auf. Als die Wienerin schließlich nach Berlin in eine Einzimmer-Wohnung zog, reichte der Platz nicht mehr aus und sie gründete „Das neue Schwarz“. Inzwischen gibt es nicht nur Fundstücke aus ihrem eigenen Kleiderschrank, es kommt regelmäßig neue Vintage-Ware aus Paris, Mailand oder New York.

„Ein Vintage-Geschäft ist wie eine Schatztruhe. Überall könnt ihr etwas ganz Spezielles finden!“

In seiner ursprünglichen Bedeutung bezeichnete das Wort den Jahrgang oder die Lese eines Weines. In der Kunst und der Mode wurde aus „Vintage“ ein Synonym für alt und selten, für Designerware aus früheren Jahrzehnten und Fundstücken aus vergangenen Epochen. Den Achtzigertrend gibt es hier nicht als Revival, sondern im Original. Für die Träger macht das, die Mode glaubwürdiger, den Stil ausgefallener und deutlich individueller.

„Das neue Schwarz“ ist ein Besuch wert, wenn ihr das nächste Mal in Berlin seid.

Das neue Schwarz, Mulackstraße 37, Mitte, Tel. 27 87 44 67, Mo, Do–Sa 12–20 Uhr, www.dasneueschwarz.de